Arbeitsgruppe Weichfresser e.V. - Für Freunde der Weichfresser

Rotgesicht-Bunthäherling

15 Jan, 2020

Rotgesicht-Bunthäherling

Rotgesicht-Bunthäherling

(Syn.: Burma-Karminflügelhäherling)

Liocichla ripponi (Syn.: Liocichla pheonicea ripponi)                   Oates: 1900

1 Unterart: (Liocichla ripponi wellsi)

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Autor: B. Sickert (2019)

Fotos: S. Fischer: Bilder (1), (2) und Beitragsbild;   B. Sickert: Bilder (3) und (4)

Systematik

Zahlreiche der bisherigen Timalien, die in Menschenobhut gepflegt werden, hat man nun in der neu gegründeten Familie der Leiothrichidae, also der Häherlinge und Verwandten, zusammengefasst. So auch die hier vorgestellte Art, den Rotgesicht-Bunthäherling mit seinen Unterarten Liocichla r. ripponi und Liocichla r. wellsi. Lange Jahre hat man die beiden Formen als Subspezies des Karminflügelhäherlings gesehen. Sie hießen Liocichla phoenicea ripponi bzw. L. p. wellsi, und die deutsche Bezeichnung lautete ausschließlich Karminflügelhäherling, war also nicht differenziert auf die Unterarten. Angemerkt sei noch, dass die Widmungsnamen an den britischen Offizier der Ostindien-Kompanie George Rippon bzw. an den Mitarbeiter des British Museum of Natural History (BMNH) Jimmy Wells erinnern.

Inzwischen hat man festgestellt, dass Liocichla phoenicea und Liocichla ripponi zwei verschiedene Arten sind, deshalb musste auch ein neuer deutscher Trivialname gefunden werden. Im HBW Vol. 12 (2007) nannte man L. ripponi nun Burma-Karminflügelhäherling, da das Taxon ja überwiegend in Burma (heute Myanmar) verbreitet war.

Für die HBW und BirdLife International Illustrated Checklist of the Birds of the World (2016) hat man sich wieder etwas Neues einfallen lassen. Man hatte sich offenbar vorgenommen, mit den Gattungsbezeichnungen auch die Trivialnamen näher zu spezifizieren. So bezeichnete man die Vertreter der Gattung Liocichla nun Bunthäherlinge. Liocichla phoenicea hieß nun Karminflügel-Bunthäherling und Liocichla ripponi Rotgesicht-Bunthäherling. (T. Kleefisch)

Aussehen und Lebensweise

Es handelt sich bei diesen Vögeln, mit einer Größe von 21 – 23 cm und einem Gewicht von nur 42 – 53 g um eine eher kleinere Häherlingsart. Anstelle einer Gefiederbeschreibung verweise ich auf die beiliegenden Fotos. Deutlich ist eine gewisse Variabilität zwischen den einzelnen Individuen zu erkennen. Markant anders gegenüber dem weiter westlich verbreiteten Karminflügel-Bunthäherling ist für mich die hervorstechende rote Gesichts- und Wangenbefiederung sowie die graue anstatt braune Kopfplatte.

Rotgesicht-Bunthäherlinge sind im südlichen Asien, im östlichen- und südöstlichen Myanmar, partiell im westlichen und südlichen Yunnan (China) und im Norden von Thailand, Laos und Vietnam beheimatet. Sie leben bis in Höhen von 1400 – 2000 m NN, in offenen Wäldern, Bambusdschungeln, in Schluchten und in der Nähe von Sümpfen. Einzeln, paarweise oder in kleinen Gruppen von vier oder fünf Tieren streifen sie umher. Ihre Nahrung besteht aus Insekten, Beeren und Sämereien.

Die Hauptbrutzeit fällt in die Monate April bis Juni. Es werden napfförmige Nester in nur 0,6 – 1,5 m über dem Boden in Dornbüschen, Bambusgestrüpp oder Bäumchen gebaut.

Wie viele andere Häherlinge, ist auch diese Art recht robust. Die Lebenserwartung liegt bei etwa 10 Jahren.

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Unterbringung

Mein Paar Rotgesicht-Bunthäherlinge halte ich nunmehr seit 2012. Sie haben als alleinige Bewohner in ihrer Voliere von 100 m² (also 10 m x 10 m), bei einer Höhe von 2,5 m, ein recht komfortables Reich. Ein Schutzhaus mit 8 m² Grundfläche ist den Tieren jederzeit zugänglich. Die Temperaturen darin fallen nie unter 5 °C, solange die Außentemperaturen nicht -15°C erreichen. Dann wird eine Heizung angeschaltet.

Die Bepflanzung besteht aus Essigbäumen, Holunder, Lebensbäumen, Kirschlorbeer, Bambuspflanzen, Buchsbaum und Zaunwinde, die während ihrer Vegetationszeit das Gittergeflecht auf einer Seite überwuchert. Dieser Bewuchs garantiert, dass die Tiere zu jeder Jahreszeit Deckung finden. Einige wenige Äste sind in unterschiedlichen Höhen so angebracht, dass die Vögel in den Sommermonaten, wenn die Voliere komplett begrünt ist, freie Sonnenplätze haben. Essigbaum und Holunder sorgen ja nicht unbedingt für undurchlässiges Dickicht, trotzdem nutzen meine Vögel die zusätzlichen Sitzplätze recht gerne. Der auf dem Foto zu sehende Gartenschirm diente einem früheren Volierenbesatz als zusätzlicher Schattenspender, ist aber mittlerweile nicht mehr vorhanden.

Fütterung

Das gereichte Futter besteht aus Uni-Patee, Insect-Patee, Beo-Patee und Uni-Komplex – alles Fertigfuttermischungen von VerseleLaga. Dazu gebe ich Mehlwürmer, Pinkys, Buffalos, Heimchen, Grillen, Soldatenfliegenmaden und Wachsmotten. In diesem Umfang füttere ich immer, lediglich zur Brutzeit erhöhe ich den Anteil an Lebendfutter geringfügig. Obst oder Körnerfutter nehmen sie kaum an. Gefüttert wird ausschließlich im Schutzhaus. In der Außenvoliere finden sie sicherlich noch genügend anderes Getier.

Vermehrung

Da ich lange Zeit nur dieses eine Paar Rotgesicht-Bunthäherlinge, von dem ich hier berichte, hatte und folglich keine Möglichkeit einer Brutpaar-Zusammensetzung nach spezifischen Kriterien vorhanden war, kann ich nicht von „Zucht“ reden, sondern lediglich von Vermehrung.

Die Tiere sitzen sehr häufig eng bei einander und überkreuzen dabei ihre Schwänze – ganz nach Timalienart. Oft hört man von ihnen ziemlich eintönige, pfeifend-ziehende Laute, die den Rufen der Schwarzkopftimalien (Malacias desgodinsi) sehr ähneln, allerdings wesentlich ausdauernder vorgetragen werden. Bis zu einer halben Stunde kann dies anhalten, was selbst mir als Halter oft an den Nerven zerrt. Lediglich während der Brut- und Mauserzeit sind sie deutlich ruhiger.

Eine vollständige Balz konnte ich bisher nicht beobachten, da bereits im Mai – zum Beginn der Brutzeit – die Voliere reichlich begrünt ist. Lediglich der frühe Gesang des Männchens und sein gelegentlich zu sehendes, aufgeregtes Umherflattern machen darauf aufmerksam, dass er sich um das Weibchen bemüht. Sehen konnte ich auch, wie er mit gespreiztem Schwanz und leicht gesenkten, aufgefächerten Flügeln auf einem Ast vor dem Weibchen umhertippelte. Als „Tanz“ würde ich es jedoch nicht bezeichnen.

Meine Rotgesicht-Bunthäherlinge begannen seit 2013 die Brutsaison im Mai und beendeten sie Anfang September. Bis zu drei Bruten wurden in diesem Zeitraum jährlich bisher gemacht.

Im Geflecht der Zaunwinde bauen sie regelmäßig in etwa 1 m Höhe ein napfförmiges Nest. Dies ist mit etwa 15cm recht tief. Der äußere Teil wird aus langen Grasfasern gebaut und das Innere mit Kokosfasern ausgekleidet. Meistens werden 3 Eier gelegt, die türkisfarben sind und darauf kleine feine rote Striche haben.

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Die Brutzeit dauert 14 Tage, die Nestlingszeit 17 – 19 Tage. Nachdem die Jungen das Nest verlassen haben, braucht es noch etwa 4 Wochen, bis sie selbständig sind.

Wer von den Elterntieren über diesen Zeitraum die aktivere Rolle bei der Aufzucht spielt, ist für mich schwer zu sagen. Sämtliche Jungtiere eines Jahres lasse ich, bis zur Selbständigkeit der letzten Brut, im Gehege bei den Eltern. Alle Jungen der vorangegangenen Bruten beteiligen sich bei der Versorgung der nächst Folgenden.

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Eine kleine Auflistung

Im Jahr 2013 erfolgten 2 Aufzuchten von einem, bzw. zwei Jungtieren. 2014 wurden bei 3 Bruten vier Junge aufgezogen, 2015 waren es wieder 3 Bruten, mit jedoch 9 Jungtieren und 2016 wurden von 2 Bruten drei Tiere groß. 2017 und 2018 war kein Brutversuch mehr erfolgreich. Nun, im August 2019, unternehmen meine Rotgesicht-Bunthäherlinge den dritten Versuch. Ein eventueller Erfolg bleibt abzuwarten.

Woran der Ausfall seit 2017 liegt, erschließt sich mir nicht. In der Haltung und Versorgung meiner Tiere habe ich nichts geändert. Die Begründung ausschließlich in den Veränderungen des Wetters zu sehen, halte ich für zu einfach. Turbulenzen in der Vogel-Vermehrung gab es auch schon vor zwei Jahren, unabhängig vom Wetter.

Ich bin also gespannt, wie es weitergeht.

 

Der Bericht ist in der Zeitschrift „Gefiederte Welt“ Heft 12/2019, Seiten 8 – 11, erschienen.