Arbeitsgruppe Weichfresser e.V. - Für Freunde der Weichfresser

Javamaina

20 Sep, 2020

Javamaina

Haltung und Zucht des Javamaina

Javamaina:   Acridotheres javanicus,     Cabanis 1850

Systematik:

Ordnung:                Passeriformes,       Sperlingsvögel

Familie:                  Sturnidae,              Stare

Gattung:                 Acridotheres

Art:                        javanicus

Unterarten:             Es existieren keine Unterarten

Namen:

Deutsch:                Javamaina (Javastar)

Englisch:                White-vented Myna, Javan Myna

Französisch:           Mainate de Java

Text und Fotos: Andy Fuchs

Allgemein:

Javamainas werden häufig mit ihren Verwandten den Haubenmainas (Acridotheres cristatellus) verwechselt. Auch ich habe meine Vögel ursprünglich als Haubenmaina gekauft. Beide Gattungen tragen am Übergang vom Schnabelende zur Stirn eine unverwechselbare Haube. Bei genauerem Hinsehen unterscheiden sich die beiden Arten aber deutlich: der Körperbau des Haubenmainas wirkt eher etwas grob und gedrungen, der des Javamainas filigraner. Schnabel und Beine des Haubenmaina sind von beiger oder heller Farbe, die des Javas leuchtend gelb. Genau umgekehrt verhält es sich mit der Augeniris. Hier zeigt der Javamaina die helle Farbe während die Iris des Haubenmainas kräftig gelb leuchtet. Auch die Unterseite des Schwanzes ist unterschiedlich gefärbt. Beim Javamaina ist die Unterseite weiß mit etwa daumengroßen schwarzen Einschlüssen gefärbt.

Die Unterseiten der Schwanzfedern des Haubenmaina sind schwarz, aber mit weissen Querstreifen darin. Kopf, Schopf und Rücken sind schwarz in verschiedenen Schattierungen, die Brust und der Bauch sind etwas heller, die Farbe erinnert an ein sehr dunkles Silbergrau. Die Flügelunterseite wird von einem ungefähr 2 Zentimeter breiten weißen Strich gezeichnet.

Wenn der Vogel die Flügel geschlossen hält, ist der Anfang dieser Zeichnung manchmal an der Flügelkante als weisse Einlage noch zu sehen.

Balz und Nestbau:

In der Regel schreiten meine Javamaina ungefähr ab Mai zur Balz, sofern sie die Möglichkeit haben, ein Nest zu bauen. Im ersten Jahr wusste ich noch relativ wenig über das Nestbauverhalten dieser Tiere. Basierend auf Erfahrungen mit Balistaren habe ich ihnen kurzgeschnittene Haselzweige, Stroh, Heu und Grashalme angeboten. In der Anlage, in der sie zusammen mit Flammenkopfbartvögeln untergebracht waren, war ein großer Naturstammkasten, der früher für Mandarinenten gedacht war, angebracht. Schon bald begannen die Tiere einander zu necken und zu jagen, saßen eifrig schwatzend beieinander, um im nächsten Moment wieder in Streit auszubrechen. Und vor allem begannen sie dann auch die Flammenkopfbartvögel zu belästigen. So nahm ich diese wieder heraus und setzte sie in eine andere Voliere um. Nun begannen die Tiere auch den Nistkasten zu untersuchen und langsam Material hineinzutragen. Dabei wurden die Balzrituale immer intensiver. Das war ein ständiges Wechselspiel von Zusammensitzen, Schwatzen, sich das Gefieder gegenseitig pflegen und sich herumjagen und brutal wirkenden Attacken gegeneinander. Ähnlich dem Balzverhalten der Balistare wird bei der Balz vom Javamaina-Männchen auch der Schopf eingesetzt. Das heißt, er sitzt dann mit aufgestellter Mähne neben dem Weibchen, wirft den Kopf auf und ab und gibt gurgelnde Laute von sich. Dieses Verhalten wird aber bei Weitem nicht so häufig gezeigt wie beim Balistar. Gerne nicken sich die Vögel auch gegenseitig mit dem Kopf zu, ähnlich dem menschlichen, zustimmenden Nicken. Dabei werden auch wieder diese gurgelnden Laute abgegeben.

Parallel zu der Balz wird das Nest weitergebaut. Als Basis dienen kleine Aststücke. Damit wird eine Umrandung mit einer vertieften Nestmulde vorgeformt. Anschließend wird die Mulde mit Stroh, Heu, alten Federn und ähnlichem ausgepolstert. Ist das Nest weitgehend fertiggestellt, fängt das Weibchen mit dem Legen an. Bei uns wurden die Eier in der Regel alle 2 Tage, meist in den Morgenstunden gelegt. Ein Gelege von Javamainas umfasst normalerweise 3 bis 5 Eier. Mein Paar legt für gewöhnlich 4 Eier. Die eigentliche Brut fängt erst an, wenn das Gelege komplett ist. Bis dahin wird höchstens etwas vorgebrütet. Wie ich feststellen konnte, wird das Brutgeschäft vollumfänglich vom Weibchen übernommen, das Männchen konnte ich nie dabei beobachten. Ich hatte im ersten Bericht über die Javamainas und Balis (GF Nr. 6/2008) geschrieben, dass die erste Brut für mich überraschend kam und eigentlich nichts darauf hingedeutet hatte. Im darauffolgenden Jahr behielt ich die Javamainas im unteren Teil der Volieren in einer Innen-/ Außenanlage. Dort montierte ich einen Kasten mit eingebauter Infrarotkamera. So konnte ich das Geschäft besser verfolgen. Dabei stellte ich auch fest, dass das Weibchen bei geringster Störung den Kasten sofort verließ. Das bedeutete, dass – wenn wir im Jahr zuvor unser Auto parkten, die Garage in Richtung Voliere verließen oder uns einfach nur der Anlage näherten – der Kasten sofort verlassen worden ist und wir die Vögel folglich dauernd draußen gesehen haben. Habe ich an der Voliere die Außentür aufgelassen, so dass ich den Raum geräuschlos betreten konnte, hatte ich die Möglichkeit, das Weibchen im Kasten zu beobachten. Aber es war mir nicht möglich, die Schleusentür zur Innenanlage zu öffnen. Bereits das leicht schabende Geräusch beim Schieben des Riegels hat den Vogel wieder aus dem Kasten getrieben.

Gelege und Aufzucht:

Wie schon erwähnt, legen Javamainas normalerweise zwischen drei und fünf Eier, unser Weibchen legt meistens vier. Die Brutzeit dauert ungefähr 14 bis 15 Tage. Die Eier sind von hellblauer Farbe und knapp 18 x 30 Millimeter groß.

Die Jungen schlüpfen vollkommen nackt, meistens in relativ kurzen Abständen. Bei mir ist es schon vorgekommen, dass in einem Zeitraum von 12 Stunden drei Javamainas geschlüpft sind. Das hängt wohl damit zusammen, dass nicht ab dem ersten Ei gebrütet wird und die Entwicklung bei allen relativ ähnlich ist. Wenn die Kleinen schlüpfen, dürften sie um die 5 bis 6 Gramm wiegen. Das habe ich zwar nicht bei den Javamainas gemessen, sondern sind Werte von den Balistaren. Die Gewichtswerte sollten aber für Javamainas ziemlich identisch sein.

Aufgezogen werden die Jungen mit tierischer Nahrung. Die ersten 2 – 3 Tage gebe ich vorwiegend Buffalos und Pinkimaden, beides gefrostet. Danach reiche ich zusätzlich kleine Mehlwürmer. Ab und zu stellen wir auch eine Lebendfalle für Insekten auf, damit vielseitiger gefüttert werden kann. Zur ersten Fütterung am Morgen stellen wir dann gleich den Auffangbehälter der Falle in die Voliere. Die Altvögel haben schon längst herausgefunden, um was es dabei geht und wie man die Plastikbox aufbekommt.

Die gereichten Futtermittel werden auch ab dem ersten Tag mit Zusatzstoffen behandelt. Als Grundmittel gebe ich ein Probiotikum, das die Verdauung anregen soll. Pro Tag gibt es sicher einmal Kalziumpulver über die Futtertiere und ab und zu zusätzliche Vitaminpulver. Bei den Vitaminpulvern wechsle ich ab zwischen einem normalen und einem mit zusätzlichem Vitamin E. Das mit Vitamin E angereicherte Pulver gebe ich normalerweise den Elterntieren, um die Brut anzuheizen. Da es aber auch gut für die Herztätigkeit ist, bekommen es dann ebenfalls die Jungen. Um die Elterntiere (besonders das Männchen) nicht wieder in Brutstimmung zu versetzen, reiche ich das Mittel aber sehr zurückhaltend.

Im Alter von 6 Tagen werden die Jungen beringt. Ich benütze Ringe von 5,5 Millimeter Durchmesser. Damit die Alten nicht versuchen, die Ringe den Jungvögeln wieder abzuziehen, habe ich angefangen, sie mit hautfarbenem Heftpflaster zu umwickeln. Nach drei bis vier Tagen kann es dann wieder entfernt werden. Das ist aber nur bei Paaren ratsam, die das Beringen auch akzeptieren. Im Allgemeinen werden Nistkastenkontrollen von Javamainas problemlos toleriert, selbst wenn die Jungen zum Wiegen oder Beringen herausgenommen werden.

Wenn die Aufzucht etwas fortgeschritten ist, kann dazu übergegangen werden, zusätzlich größere Futtertiere wie Zophobas, Heimchen, Heuschrecken und Dendrobenia (Würmer) zu reichen. Die Futtertiere werden von den Alten für die Fütterung durch Schlagen vorbereitet. Dazu wird das Beutetier immer wieder über einen Ast geschlagen bis es tot ist. Bei Käfern und Heuschrecken wird so auch der Panzer gebrochen. Es kann häufiger beobachtet werden, dass ein Elterntier mit einem Futtertier im Schnabel im Nistkasten verschwindet und wieder damit heraus kommt, um es nochmals intensiv zu schlagen. Ist das Futtertier dem Jungvogel verabreicht, wird dessen zuvor im Nistkasten ausgeschiedener Kot aufgelesen und herausgetragen. Ich konnte aber nur das Aufnehmen des Kotes beobachten und leider nicht, ob die Alten ihn fressen oder nach draußen tragen. Aber es ist mir aufgefallen, dass vor allem das Weibchen draußen sehr viel größere Kotmengen absetzt, sobald das Aufzuchtgeschäft im Gange ist. Das kommt sicher daher, dass es durch den enormen Energiebedarf zusätzlich Futter zu sich nimmt, aber ich vermute auch, dass der zusammengeklaubte Kot aus dem Nistkasten gefressen wird. Dieses Verhalten hat den Vorteil, dass erstens der Brutkasten relativ sauber bleibt und vor allem keine Fressfeinde durch den Geruch angelockt werden können. Ungefähr nach drei Wochen werden die Jungen dann flügge und beginnen, erst zögerlich und dann immer häufiger, den Nistkasten zu verlassen. Die Jungen werden dann noch etwa zwei Wochen von den Alten weitergefüttert, wobei gegen Ende hin das Betteln immer seltener erhört wird.

Javamainas sollten unbedingt eine Voliere bewohnen, die mit robusten Sträuchern oder Pflanzen bewachsen ist. Während der Aufzucht der Jungen leiden selbige nämlich sehr, da die Eltern häufig Blätter abreißen und ins Nest tragen oder fressen. In der Voliere unten zerstörten sie mir einen jungen Lorbeerstrauch komplett, dieses Jahr in der oberen Voliere mussten ein Lorbeerbusch und ein Buchsbaum Blätter lassen. Die Grasmotte (schweizerisch für Grassode), die ich zusätzlich eingepflanzt hatte, kam schon gar nicht dazu, überhaupt Wurzeln zu schlagen. Um dem Nagetrieb gerecht zu werden, habe ich dann während der Aufzuchtzeit mehrere Male Kräutersetzlinge in Töpfen mit nach Hause gebracht und gleich mitsamt dem Plastiktopf in die Voliere gestellt. Interessanterweise fangen der Lorbeer und der Buchs sich jetzt langsam wieder an zu erholen, nachdem die Jungen ausgeflogen sind. Erste Blätter bilden sich wieder und werden scheinbar auch in Ruhe gelassen.

Probleme:

Im ersten Jahr hat die Aufzucht relativ gut geklappt, die Eltern haben die Jungen problemlos aufgezogen, bis sie ausgeflogen sind. Nach dem Ausfliegen sind die Jungtiere dann aber größtenteils auf dem Boden geblieben und haben dort um Futter gebettelt. Die Eltern haben zwar immer versucht, Futter zu bringen, wurden dabei aber scheinbar durch die Goldfasane im gleichen Gehege gestört. Als wir das bemerkt haben war eines der 4 Kleinen bereits gestorben, die andern haben wir dann in die Handaufzucht genommen. Leider sind noch 2 Tiere bereits zu schwach gewesen, so dass 2007 nur ein einziger Javamaina durchgekommen ist.

Im darauffolgenden Jahr behielt ich die Javamainas dann im unteren Teil der Anlage in einer Voliere mit Innen-/ und Aussenbereich. Ich stellte ihnen einen sehr geräumigen selbstgebauten Kasten und viel Nistmaterial zur Verfügung. Der Kasten wurde auch sofort in Beschlag genommen und ein Nest mit Mulde im Bereich des Einstiegloches gebaut. Das Weibchen legte dann auch prompt seine 4 Eier hinein. Das Männchen hat dieses Gelege dann aber überbaut und weiter hinten eine zweite Mulde eingerichtet. Wiederum legte das Weibchen hier 4 Eier hinein. Das Spiel hat sich dann noch 2 Mal wiederholt. Das Männchen hat im Gegenuhrzeigersinn tatsächlich 4 Nestmulden geschaffen und das Weibchen hat jedes mal ein Gelege von 4 Eiern hineingelegt, ohne aber je mit Brüten anfangen zu können. Ich habe den Kasten dann entfernt und für ungefähr einen Monat sehr dürftig gefüttert. Danach stellte ich ihnen einen sehr kleinen Naturnistkasten und extrem wenig Nistmaterial zur Verfügung. Diesmal ging alles gut und es schlüpfte Mitte August tatsächlich noch ein Jungvogel. Leider haben sie ihn aber nach 5 Tagen plötzlich nicht mehr gefüttert,  worauf er verstorben ist.

In diesem Jahr nun baute ich in der Teichanlage oben 2 weitere separate Volieren ein, um die Vögel räumlich trennen zu können. Das jeweilige Abteil besitzt einen Nistkasten aus Naturstamm, der eine Kontrollöffnung von außen hat, damit man die Voliere nicht betreten muss. In diese Anlage setzte ich nun das Zuchtpaar der Javamainas und der Kasten wurde auf Anhieb angenommen und schon nach wenigen Tagen mit dem Nestbau begonnen. Wiederum legte das Weibchen seine 4 Eier und am 15. und 16. Mai 2009 schlüpften auch tatsächlich 4 Junge, welche nun problemlos aufgezogen wurden. Während die Jungtiere noch am Ausfliegen waren und anfingen gelegentlich aus dem Kasten zu steigen, legte das Weibchen schon 3 neue Eier hinein. Es konnte nun beobachtet werden, wie das Männchen die Jungvögel schon relativ bald zu attackieren anfing, so dass ich sie schon 2 Wochen nach dem Ausfliegen herausnehmen musste. Am 1. Juli schlüpften dann die nächsten 2 Vögel, welche ebenfalls anstandslos aufgezogen worden sind.

Der Jungvogel aus dem Jahr 2007 lebt heute bei Freunden. Sie besitzen 2 Weibchen und so lag es nahe, den Vogel dort zu verpaaren. Neben den beiden Blutlinien hier bei mir und bei den neuen Besitzern konnten wir dieses Jahr noch einen weiteren Kontakt zu einem Halter in Holland herstellen. So hoffe ich noch an ein zweites, sicher blutfremdes Paar zu kommen.

Ernährung:

Javamainas sind eigentlich Allesfresser. Unsere Tiere mögen ihren Fruchtsalat, das heißt verschiedene Früchte in kleine fingernagelgrosse Stücke geschnitten. Zitrusfrüchte werden eher weniger gern angenommen. An ganzen Früchten zum selber picken sind Birnen in allen Arten sehr beliebt. Äpfel werden manchmal genommen, häufig aber auch nicht beachtet. Gemüse wird öfter aussortiert und liegen gelassen. Daneben bekommen sie eine Mischung aus gekochtem Reis, kleingeschnittenen Früchten, Brot, Gemüse, Kräutern und Salat, welches mit Premium Pattee Weichfresserfutter durchmischt wird. In einer Schale stehen jederzeit eine Insektenfuttermischung und das Weichfresserfutter getrennt zur Verfügung. Als Lebendfutter bekommen sie Mehlwürmer, Zophobas, Dendrobenias, Rosenkäferlarven, Schaben und Heuschrecken. Je nach Lust und Laune werden diese Gaben gejagt und manchmal halt auch verschmäht. Schaben gebe ich nur einzeln, damit sie sich nicht verkriechen können. Sollten sie nicht bejagt werden kann ich sie so gut wieder herausfangen. Heimchen gebe ich nur noch gefrostet, da ich meinen Nachbarn das Konzert eventuell entwischter Tiere nicht unbedingt zumuten möchte.

Fazit:

Javamaina können mit ihrer interessanten Art ihrem Besitzer viel Freude beim Pflegen und Beobachten bereiten. Sie gewöhnen sich ziemlich schnell an ihre Halter und zeigen sich dann interessiert und verspielt. Da sie in der Aufzucht ihrer Jungen relativ unkompliziert sind, dürften sie auch etwas unerfahrenen Züchtern viel Freude bereiten. Von den Lautäußerungen her sind sie sehr angenehme Tiere, die durchaus auch von Nachbarn akzeptiert werden können.

Literatur:

New Holland Field Guide to the birds of south-east Asia

(Craig Robson, ISBN 978-1-84330-746-4)

Der Beitrag erschien in der Zeitschrift „Gefiederter Freund“ Nr. 1 / 2010, des Schweizer EXOTIS-Verbandes.