Arbeitsgruppe Weichfresser e.V. - Für Freunde der Weichfresser

Augenbrauenhäherling

17 Feb, 2020

Augenbrauenhäherling

Augenbrauenhäherling – meine Erfahrungen

Augenbrauenhäherling  –  Garrulax canorus

(syn.: Leucodiotron canorum, Chinesische Spottdrossel)

Ordnung: Passeriformes (Sperlingsvögel)

Familie: Leiothrichidae (Häherlingsverwandte

Gattung: Garrulax

Text und Fotos der Jungtiere: Sascha Fischer (2019)

Beitragsfoto: Thomas Ratjen

Einleitung:

Einer der besten Sänger, die innerhalb der Gruppe Häherlinge zu finden sind, ist der Augenbrauenhäherling. In seiner Heimat wird er gern als Käfigvogel gehalten und erfreut seine Halter mit seinem gesanglichen Repertoire.  Ohne Frage, ist diese Form der Haltung und Kultur nicht zeitgemäß und sollte zum Wohle des Tieres vermieden werden!

Ich konnte im August 2016 1,1 Geschwistertiere erwerben. Das Weibchen tauschte ich mit einem holländischen Bekannten auf der Vogelbörse in Zwolle. Beide Vögel waren anfänglich distanziert, saßen erst nach circa einer Woche nachts zusammen. Leider verstarb das Weibchen.

Weitere Kontakte brachten ein neues Weibchen, welches ich vorsichtshalber in die Nachbarvoliere des Männchens setzte. Dieses schien interessiert an der Neuen zu sein, saßen sie bereits am kommenden Tag nebeneinander, nur noch vom Draht getrennt. Kurz darauf öffnete ich die Tür, sodass beide zueinander fanden. Die Neugier des Männchens schien größer zu sein und es erkundete das Gehege des Weibchens. Beide Tiere waren sichtlich aufgeregt und „tanzten“ und balzten unter wispernden Geräuschen. Die Pupillen der Vögel verengten sich währenddessen.

Sie bildeten von da an ein Paar und sind ständig auf Entdeckungstour durch die Voliere.

Ernährung:

Die Mischung für meine Weichfresser besteht aus verschiedenen Frostinsekten, Unipatee premium (Orlux), F16 Perlen (VerselleLaga), sowie Haferflocken und Mehlwürmern, die ich mit Bierhefe, Multivitaminen und Kalk bestäube.

Obst und Beeren werden ebenfalls gern genommen. Diese biete ich am Boden oder auf einem Ast in Bodennähe an.

Lebendfutter stelle ich den Vögeln in großen Plastewannen, die ich mit Laub fülle, auf dem Boden zur Verfügung. Da der Volierenboden ebenso mit einer dicken Laubschicht bedeckt ist, werfe ich regelmäßig Mehlwürmer und Zophobas hinein, um den Vögeln mit der Futtersuche Abwechslung zu bieten.

Außerhalb der Brutzeit nehmen die Augenbrauenhäherlinge immer schlechter das angebotene Weichfresserfutter an. Jetzt werden Sämereien und Nüsse bevorzugt.

Unterbringung:

Meine Volieren für die meisten Häherlingspaare, die während der Brutzeit allein untergebracht sind, haben die Maße von 4 m Länge, 1 m Breite und 2 m Höhe.  Diese sind komplett überdacht und blickdicht zu den Nachbarn. Die Hinterwand, an der ich das Futter anbiete und durch die eine Tür ins Innere führt, lässt sonst keinen Blick auf den Pfleger zu. Durch eine kleine Öffnung kann ich unbemerkt die Tiere beobachten.

Thujas, Holunder, Bambusse, Kirschlorbeer und wilder Wein sind in verschiedenen Kombinationen gepflanzt und bilden eine dichte Vegetation, was die Häherlinge zum Wohlfühlen und Brüten brauchen. Den bodennahen Bereich schneide ich zurück, sodass die Tiere ungehindert auf dem Boden hüpfen und das Laub durchsuchen können.

Morsches Holz wird gern von ihnen aufgehackt und nach Kerfen durchsucht. Gelegentlich werden Nüsse und Samen in kleine Furchen gelegt und so lange bearbeitet, bis sie an das Innere kommen.

Im Winterhalbjahr sollte Augenbrauenhäherlingen eine frostfreie und vor Wind und Wetter geschützte Unterkunft zur Verfügung stehen! Diese Exoten der Kälte auszusetzen ist nicht tiergerecht und muss daher vermieden werden!

Sehr gut eignen sich Volieren, in denen nur vereinzelt Lichtstrahlen einfallen, da so am besten die Lichtverhältnisse im Unterholz des Ursprungshabitates nachempfunden werden.

Vermehrung:

Um ein gutes Paar zu erhalten ist es von Vorteil, wenn sich beide Geschlechter in einer Gruppe Jungvögel finden können. Leider ist diese Praxis bei den wenigsten Arten durchführbar.

Da sich meist nur Einzeltiere anbieten und es mit dem Zusammensetzen von einem Männchen und einem Weibchen noch kein Paar bilden lässt, ist es unabdingbar ganz genau zu beobachten. Am besten, wenn beide noch jung sind.

Obwohl fast alle Häherlinge mit einem Jahr geschlechtsreif sind, kann es vorkommen, dass die Tiere erst im zweiten Jahr erfolgreich zur Brut schreiten und Junge großziehen. Diesbezüglich war das Glück auf meiner Seite und ich konnte eine gelungene Aufzucht dokumentieren.

Das männliche Tier ließ ab April seinen wunderschönen und lauten Gesang vernehmen, wurde aber zunehmend aggressiver seiner Partnerin gegenüber. Es ging so weit, dass ich es entnehmen musste und ihm die Schwingen des rechten Flügels stutzte. Von da an ging es eine Weile gut, er blieb aber sehr dominant.

Über dem Nest befestigte ich eine Kunstpflanzenmatte an der Volierendecke. Dies schien den Vögeln die nötige Sicherheit zu geben, da ihr unkoordiniertes Herumtragen von Nistmaterial ein jähes Ende fand. Sie wählten zuerst eine Thuja aus, in der sie in 1,2m Höhe das angebotene Nistkörbchen bebauten. Begonnen wurde mit grobem Material wie Bambusblätter und Halme, bis das Innere mit Hanffasern ausgekleidet war.  Von da an verstummte das Männchen.

Am 12.06. lag ein Ei im Nest. Leider erhöhte sich das aggressive Verhalten des Männchens und es jagte das Weibchen, sodass es nicht auf dem Nest blieb. Ich fing ihn erneut und schnitt ihm die Federn des anderen Flügels kurz. Obwohl er deutlich eingeschränkt wurde, konnte er sich gut durch die Voliere bewegen.

Ich bot nun eine neue Nistschale in einem Gestell an, welches ich mit Thujazweigen verkleidete. Diese wurde sofort angenommen und mit dem Nistmaterial des alten Nestes bebaut. Das Paar vertrug sich ganz gut und war ständig zusammen.

Am 15.07. lag ein Ei im Nest, zwei weitere folgten im Abstand von einem Tag. Beide wechselten sich beim Brüten ab. Am 01.08. hörte ich ein Piepsen. Das Männchen konnte ich beim Verfüttern von frischgehäuteten Mehlwürmern beobachten. Fünf Tage darauf entdeckte ich 3 Jungtiere im Nest. Die Freude war riesig auf meiner Seite! Zusätzlich bot ich den Eltern mittlere Heimchen in genannter Plastikwanne an, die bearbeitet an die bettelnden Junge weitergegeben wurden. Ich konnte immer nur das Männchen beim Füttern beobachten, nie das Weib. Sie huderte dennoch im Wechsel weiter.

Am 12.08. flogen alle drei aus. Das Gezeter der Erwachsenen war laut und schrill an diesem Tag. Da wir zu einer familiären Feier eingeladen waren, musste ich zwei Tage darauf mit Erschrecken das Weibchen tot aus der Voliere nehmen. Der Kopf war aufgehackt. Der Übeltäter kümmerte sich weiterhin rührend um seinen Nachwuchs. Nun ließ er auch wieder seinen Gesang hören.

An einem Morgen hörte ich ein aufgeregtes Gezeter aus der Voliere und wieder entnahm ich einen Vogel mit aufgehacktem Kopf. Diesmal ein Junges. Das Männchen fing ich und setzte ihn in einem Käfig und beließ ihm in der Voliere, da ich noch nicht sehen konnte, ob die verbliebenen Jungen selbst fraßen. Dies funktionierte ohne Probleme.

Die Geschlechtsbestimmung des Nachwuchses ergab zwei Männchen. Beide fingen mit 4 Wochen leicht an zu singen. Ihr Vater trällerte unentwegt den ganzen Tag.

Erschienen in der Zeitschrift „Gefiederte Welt“ Heft 06/2019, Seiten 12 – 15.